HotA, Hometreatement Aargau
Aufsuchende Familienarbeit
Idee
Viele Familien sind gleich mehreren ernsten Belastungen ausgesetzt; insbesondere Familien mit psychisch krankem Kind oder Elternteil. Reine Beratung reicht da oft nicht aus. Deshalb bietet HotA mehr:
Wir kommen zu Ihnen nach Hause und helfen Ihnen vor Ort mit der ganzen Familie in konkreten Situationen Lösungen zu suchen und umzusetzen. So finden Sie als Familie wieder Vertrauen in Ihre eigenen Stärken.
Ziel
Unter dem Dach von HotA, Hometreatment Aargau, wird ein umfassendes Angebot für aufsuchende Familienarbeit zusammengefasst. Dies beinhaltet eine Koordinationsstelle, die Ziel und Art eines Einsatzes klärt und diesen fachärztlich und pädagogisch begleitet. Aus drei unterschiedlich intensiven Formen der aufsuchenden Familienarbeit wird die geeignete ausgewählt und durchgeführt.
Das vorläufig auf drei Jahre befristete Projekt wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Mit den anmeldenden und den nachbetreuenden Stellen suchen wir eine enge Zusammenarbeit - zum Wohl der Familie.
Das Projekt HotA wird den Ansprüchen des künftigen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetzes gerecht.
HotA, Hometreatment Aargau
Pilotprojekt November 2011 – Oktober 2014
Fachleute aus der Familienarbeit sind sich einig, dass für mehrfach belastete Familien, die an der Grenze zu ausserfamiliären Lösungen leben, im Kanton Aargau ein koordiniertes Behandlungsangebot geschaffen werden muss. Dies soll helfen, Fremdplatzierungen von Kindern und Jugendlichen zu vermeiden, verzögern und verkürzen sowie Rückplatzierungen zu erleichtern. Besonders Familien mit einem psychisch erkrankten Kind oder Elternteil sollen von HotA profitieren können. Verschiedene Formen der aufsuchenden Familienarbeit sind wissenschaftlich als effektiv und kosteneinsparend evaluiert worden.
Diese Fakten haben die Projektleitung der Hometreatment Organisation HTO GmbH bewogen, das Projekt HotA zu initiieren.
Finanzierung
Was kostet eine Betreuung durch HotA?
Die Finanzierung geht weder zu Lasten der betroffenen Familien noch der Wohngemeinde. Als ärztlich geleitete Stelle sind die Leistungen teilweise durch die Grundversicherung gedeckt. Daneben wird unsere Arbeit ergänzend durch den Lotteriefonds des Kantons sowie durch private Spenden getragen.
Wissenschaftliche Begleitung
Das Projekt HotA wird von Beginn weg wissenschaftlich evaluiert. Die Hochschule für Soziale Arbeit Luzern begleitet und evaluiert das Projekt im Hinblick auf Eignung und Effektivität der Durchführung, auf die Inanspruchnahmepopulation und deren Outcome sowie auf die Qualität der verschiedenen Behandlungsangebote. Der Evaluationsbericht dient dem Departement Gesundheit und Soziales zur Klärung des künftigen Bedarfs der Einrichtung.
Das Angebot
HotA bietet ein umfassendes Angebot für aufsuchende Familienarbeit an. Dies beinhaltet eine interne Koordinationsstelle, die im Rahmen eines Gesprächs mit allen Beteiligten Ziel und Art eines Einsatzes klärt und diesen fachärztlich und pädagogisch begleitet.
Aus drei unterschiedlich intensiven Formen der aufsuchenden Familienarbeit wird die geeignete ausgewählt und durchgeführt. Es sind dies das Familiencoaching (FC), die Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF), sowie die Kompetenzorientierte Familienarbeit (KOFA). Bestehende solche Angebote im Aargau werden möglichst integriert.
Familiencoaching FC
Das Modell des Familiencoaching ist ein niederschwelliges Angebot für Familien und basiert auf einem systemischen, lösungsorientierten Ansatz. Es unterstützt Familien darin, eigene Widerstände wahrzunehmen, aufzulösen und ihre Autonomie wieder eigenverantwortlich einsetzen zu können. Die Eltern übernehmen mehr Verantwortung für ihre Kinder, erweitern ihren Handlungsspielraum und sind in Alltagsfragen sicherer. Familiencoaching arbeitet konsequent ressourcenorientiert und basiert auf einer empathisch- wertschätzenden, klientenzentrierten Grundhaltung.
Einsatzintenstität: ca. 2 Wochenstunden während ½ bis 1 Jahr
Ziel: Mit dem direkt auf die Bedürfnisse ausgerichteten, beziehungsorientierten Handlungsansatz wird eine nachhaltige Kooperation des Familiensystems erreicht.
Sozialpädagogische Familienbegleitung SPF
Sozialpädagogische Familienbegleitung arbeitet nach systemischen Grundsätzen und nutzt dabei die Ressourcen inner- und ausserhalb der Familie. Die Eltern werden in Alltagsthemen gezielt in ihrer Rolle gestärkt und motiviert, den Prozess aktiv mitzugestalten. SpF setzt sich ein, wo Erziehende vorübergehend oder längerdauernd besonderen Belastungen ausgesetzt sind oder wo das Wohl und die Entwicklung der Kinder gefährdet sind.
Einsatzintenstität: 3-6 Wochenstunden während ca. 1 Jahr
Ziel: Die Erziehungskompetenz der Eltern wird gestärkt und erweitert, Entwicklungschancen, Eigenverantwortung, Selbstvertrauen und Lernpotential der Kinder gefördert und optimiert, Strategien im Umgang mit Beziehungskonflikten innerhalb der Familie werden erarbeitet.
Kompetenzorientierte Familienarbeit KOFA
Die Methodik der Kompetenzorientierung basiert auf entwicklungspsychologischen, systemtheoretischen und lerntheoretischen Erkenntnissen. Dieses intensive Lernprogramm zielt auf die Kompetenzerweiterung der Familien. Die Familienmitglieder sollen die Fähigkeiten zur Bewältigung der Alltagsaufgaben verbessern und die Schutzfaktoren für die Entwicklung systematisch nutzen. Mit dieser Form der aufsuchenden Familienarbeit werden sowohl die Lebensbedingungen und Entwicklungschancen der Kinder wie auch die Erziehungsfähigkeiten der Eltern erfasst, mit strukturierten Interventionsprogrammen verbessert und stabilisiert.
Einsatzintensität: 10-2 Wochenstunden während ca. 6 Monaten (modulares Angebot mit abnehmender Intensität)
Ziel: Die Vermeidung einer Fremdplatzierung oder die Vorbereitung einer Rückplatzierung. Die Familienmitglieder erarbeiten sich Kompetenzen, um ihren Alltag und ihre „Entwicklungs“-Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.
Für wen?
HotA setzt dort ein, wo ambulante Behandlungsmöglichkeiten für Familien und ihre Mitglieder nicht mehr ausreichen.
HotA ist ein intermediäres Angebot an der Schnittstelle zwischen bestehenden ambulanten und stationären (ausserfamiliären) Behandlungen im Kanton.
HotA richtet sich ganz gezielt an Familien, die mehrfachen Belastungen ausgesetzt sind.
Problemsituationen
Psychosoziale Not ist in den engsten Beziehungen unserer Gesellschaft am deutlichsten spürbar. Eine Familie, die in einem Bereich ihres Lebens in Bedrängnis gerät, läuft rasch Gefahr, dass dies auch Auswirkungen auf andere Lebensbereiche hat.
Unsere Angebote richten sich daher an sogenannte Multiproblemfamilien mit den folgenden, häufig kombinierten Problemfeldern:
- Psychischer Erkrankung Kind oder Elternteil
- Erzieherischer Überforderung
- Kindswohlgefährdung
- Konflikte mit Schulen, Behörden, sozialem Umfeld
- Rückgliederung nach Fremdplatzierung
- Erschwerten Lebensumständen sozial, beruflich, finanziell
- Sucht, Gewalt
- Integrationsprobleme bei Migration
- Innerfamiliären Konflikte, Sorgerechtskonflikte
Bei einer psychischen Erkrankung eines Kindes oder eines Elternteils sind folgende Bedingungen massgeblich für die Arbeit von HotA:
- Das erkrankte Familienmitglied steht in psychiatrischer Behandlung
- Die aufsuchende Familienarbeit ist Teil der Behandlung dieses Leidens
- Wird fachärztlich triagiert und begleitet, unter Einbezug der behandelnden Fachärzte
- Das interdisziplinäre Team von HotA gewährleistet die passende aufsuchende Familienarbeit
Grenzen
Auch unserer Arbeit sind Grenzen gesetzt. HotA kommt nicht zum Einsatz, wenn andere Institutionen geeignetere Behandlungsmöglichkeiten haben um die Familie in der aktuellen Situation zu unterstützen.
Aufsuchende Familienarbeit ersetzt keine Fremdplatzierung, wo diese sinnvoll und notwendig ist.
HotA, Hometreatment Aargau, kann keine vormundschaftlichen Abklärungen übernehmen.
Aufsuchende Familienarbeit ist nicht durchführbar bei fehlender Kooperation der Familie, bei Fremdsprachigkeit ohne Deutschkenntnissen.
Schwere Delinquenz oder schwere Suchterkrankungen können gegen den Einsatz von HotA sprechen.
Akute psychiatrische Erkrankungen (Psychosen) oder Selbst- und Fremdgefährdung übersteigen die Behandlungsmöglichkeiten von HotA.
Über uns
HotA ist ein Projekt der Hometreatment Organisation HTO GmbH. Die im Oktober 2011 gegründete Gesellschaft ist die erste gemeinnützige GmbH des Kantons Aargau.
Hometreatment Organisation HTO GmbH hat eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen mit dem Departement Gesundheit und Soziales (DGS). Das Pilotprojekt wird im Rahmen der Umsetzung der kantonalen Familienperspektive von Frau Christina Leimbacher, Leiterin Fachstelle Familie und Gleichstellung, begleitet.
Organisation
Die Gesamtverantwortung für die Hometreatment Organisation HTO GmbH tragen Frau Regula Berchtold und Herr Dr. med. Philipp Hauser. Die Geschäftsführung obliegt Frau Martina Suter, BLaw.
In der Triage- und Koordinationsstelle arbeiten ausgewiesene Fachkräfte aus den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Sozialarbeit und Sozialpädagogik.
Zur Abstützung des Pilotprojektes und zur Qualitätssicherung wurde eine Begleitgruppe gebildet. Sie besteht aus Vertretungen von öffentlichen und privaten Fachstellen, Vereinigungen sowie Behördenvertretern.
Eine externe wissenschaftliche Evaluation wird durch die Hochschule für Soziale Arbeit, Luzern, durchgeführt.
Wir freuen uns, dass die folgenden Persönlichkeiten im Patronatskomitee von HotA von der Wichtigkeit unserer Arbeit überzeugt sind und HotA ideell unterstützen:
- Frau Christine Egerszegi, Ständerätin, Mellingen
- Herr Prof. Thomas Pfisterer, ehem. Ständerat und Regierungsrat, Aarau
- Herr Prof FH lic.iur. Christoph Häfeli, Kindes- und Erwachsenenschutzexperte, Niederrohrdorf
Team
Regula Berchtold
Projektleiterin, Inhaberin
Frau Regula Berchtold ist Sozialarbeiterin HFS, Paar- und Familientherapeutin, Supervisorin und Organisationsberaterin BSO. Sie arbeitete in mehreren Führungspositionen. Seit 2006 ist sie selbständig tätig, unter anderem als Dozentin für Führungskräfte im Gesundheitswesen bei H+ Bildung in Aarau.
Philipp Hauser, Dr. med.
Ärztlicher Leiter, Inhaber
Herr Dr. Philipp Hauser, Facharzt Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, war früher in leitenden Funktionen am KJPD Aargau und ist seit 1993 selbständig tätig. Er leitet die interdisziplinäre Praxis für Entwicklungsförderung PfEf in Aarau. Er ist Paar- und Familientherapeut, Supervisor und Therapieausbilder und verfügt über Erfahrung in verschiedenen berufs- und gesundheitspolitischen Funktionen.
Martina Suter, BLaw
Geschäftsführerin
Frau Martina Suter ist Juristin, Kauffrau und Ausbilderin (SVEB). Während der letzten zwölf Jahre hat sie als persönliche Assistentin eines (heute ehemaligen) Aargauer Ständerats gearbeitet.
Christiane Künzi
Administration
Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin HHF, Betriebsökonomin FH in Facility Management
Alt Brigitte, Sozialpädagogin HFS
Germann Ursula, Sozialpädagogin HFS
Günthardt Brigitte, Sozialpädagogin HFS, Körper- und Atemtherapeutin LIKA
Hermanek Salome, Klinische Heilpädagogin/ Marte Meo Therapeutin
Mandanici Nancy, Klinische Heil- und Sozialpädagogin
Merz-Tanören Mine, Sozialarbeiterin FH
Schmid Christian, Psychologe, lic. phil. I, Sozialpädagoge HFS
Soland Esther, Sozialpädagogin HFS
Studer Sonja, Sozialarbeiterin FH
Weigl Andreas, Sozialpädagoge HFS
Presse
Familien in Krisen wirkungsvoll unterstützen, Hometreatment Organisation schliesst Lücke im Kanton Aargau Medienmitteilung des Departements Gesundheit und Soziales, 23.11.2011
DGS 23.11.11.pdf
Familien in Krisen wirkungsvoll unterstützen
Der Landanzeiger, 1.12.2011
Hilfe für mehrfach belastete Familien
Der Sonntag, 8.1.2012
Impressum:
Text und Inhalt: HotA, Hometreatement Aargau
Flyer-Gestaltung: Barbara Kienast, Druckerei Suhr
Webseite: H2G Internetagentur
